Wendepunkt in der Nachhaltigkeitsberichterstattung 14.04.2021

Mit Schreiben vom 30. März 2021 hat sich der CEO der International Federation of Accountants (IFAC), Kevin Dancy, an die Mitgliedsorganisationen gewandt. Die Kernaussagen und Position des IDW finden Sie in der folgenden Zusammenfassung.

Am 22. März 2021 haben die Trustees der IFRS Foundation ein weiteres Update veröffentlicht, das ihre Entschlossenheit zeigt, die Einrichtung eines globalen Sustainability Standards Board (SSB) voranzutreiben.

IFAC begrüßt den vorgeschlagenen Einsatz einer Arbeitsgruppe, die die bestehende Arbeit führender globaler Initiativen nutzt und die Konvergenz von Inhalten und Know How beschleunigt. Damit soll die weitergehende Fragmentierung bei nachhaltigkeitsbezogenen Standards reduziert werden.

Die Treuhänder werden z.B. die IOSCO und andere Organisationen einbeziehen, um von Anfang an eine "Multi-Stakeholder-Plattform" zu schaffen, die einen effizienten Austausch ermöglicht. Die IOSCO hat dazu am 30. März 2021 eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der sie die Notwendigkeit weltweit konsistenter, vergleichbarer und verlässlicher Standards für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen für die Berichterstattung bestätigt. Gleichzeitig verpflichtet sich IOSCO, mit der IFRS Foundation auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

Das Weltwirtschaftsforum und das International Business Council haben ebenfalls ihre Unterstützung für einen globalen SSB-Ansatz zum Ausdruck gebracht und werden dazu auch die CEO globaler Unternehmen mobilisieren.

"Wir befinden uns eindeutig an einem wichtigen Wendepunkt für die Zukunft der Unternehmensberichterstattung und für unseren Berufsstand", so Kevin Dancy zu den aktuellen Entwicklungen. Alle Mitgliedsorganisationen seien aufgefordert, sich IFAC anzuschließen und sich mit führenden Vertretern von Unternehmen, Investoren, Aufsichtsbehörden und Politik zusammenzutun, um vier zentrale Zielsetzungen voranzutreiben:

  1. Unterstützung der Trustees bei der Etablierung des SSB, insbesondere im Hinblick auf die Bereitstellung einer "Baseline" von konsistenten und vergleichbaren Informationen zu Themen, die den langfristigen Erfolg und die Lebensfähigkeit eines Unternehmens betreffen.  Die Berichterstattung über Nachhaltigkeitsthemen ist mit der Finanzberichterstattung abzustimmen und soll den Bedürfnissen der Investoren und Kapitalmärkte entsprechen.
  2. Die IFRS Foundation und ein neues SSB müssen äußerst zügig ihre Arbeit aufnehmen, um Vertrauen in eine globale Lösung herzustellen. Im Sinne einer "Climate-first"-Strategie sollte unmittelbar auf den Empfehlungen der TCFD aufgebaut werden. Aufgrund ihrer globalen Legitimität ist die Foundation auch in der besonderen Lage, dauerhaft die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren. 
  3. Zur Vermeidung einer regulatorischen Fragmentierung müssen die Ergebnisse der führenden Nachhaltigkeits- und Berichtsinitiativen - CDSB, GRI, IIRC, SASB, WEF/IBC und TCFD - zusammengeführt werden.
  4. Das Vertrauen des Marktes und der Stakeholder in die von den Unternehmen bereitgestellten Informationen hängt davon ab, dass sie von qualifizierten und erfahrenen Experten geprüft werden. Die Nutzer der Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung sollen den bereitgestellten Informationen gleichermaßen vertrauen können. Dazu ist der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer besonders geeignet.

Betont wird zudem, dass die IFRS Foundation zur Erreichung dieser Ziele mit regionalen Initiativen zusammenarbeiten soll.

Das IDW hatte sich bereits sehr frühzeitig für eine globale Lösung und die Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer ausgesprochen, vgl. Zukunft der nichtfinanziellen Berichterstattung (IDW Positionspapier). Die in dem IFAC-Schreiben aufgeworfenen Zielsetzungen unterstützt das IDW daher ausdrücklich.

Aus Sicht des deutschen Berufsstandes können die europäischen Entwicklungen nicht außeracht gelassen werden. Auch Kevin Dancy weist auf die kürzlich vorgelegten Berichte der EFRAG hin, die die Aufgaben eines europäischen Standardsetters sowie dessen Struktur und Finanzierung skizzieren. Eine abschließende Entscheidung ist noch nicht getroffen, allerdings deutet sich an, dass die EU bereit zu sein scheint, einen solchen Schritt zu gehen. Mit europäischen Nachhaltigkeitsstandards sollen demnach die aus der zu erwartenden überarbeiteten CSR-Richtlinie resultierenden Regelungen konkretisiert werden.

Das IDW hat darauf hingewiesen, dass der Aufbau einer globalen Lösung kein "Show-Stopper" für das europäische Momentum sein sollte. Abhängig von der Geschwindigkeit, mit der tatsächlich europäische Standards erarbeitet werden, können diese also auch Grundlage für eine globale Lösung sein. Da die IFRS-Foundation (zunächst) auf den Beitrag der Nachhaltigkeitsaspekte auf die Wertschöpfung der Unternehmen abstellt ("outside-in"), könnte sich ein europäischer Standardsetter auf den Einfluss der Unternehmen auf die Stakeholder ("inside-out") konzentrieren.

Zudem sind Lösungen zu erarbeiten, wie die Nachhaltigkeitsberichterstattung an die Rechnungslegung solcher Unternehmen angebunden werden kann, die nicht die IFRS anwenden. Dies ist von besonderer Bedeutung, da der Kreis der einer Nachhaltigkeitsberichterstattung unterliegenden Unternehmen von der EU wahrscheinlich ausgeweitet wird.

Übergreifend sieht sich das IDW ebenso wie IFAC folgenden Zielsetzungen verpflichtet: 

  • Förderung von nachhaltigkeitsbezogenen Kompetenzen im Berufsstand,
  • Vermittlung einer integrierten Denkweise im beruflichen Handeln,
  • Positionierung des Berufsstandes als Vorreiter bei der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft, etwa auch im Bereich "Sustainable Finance", sowie 
  • Förderung von Assurance-Dienstleistungen.

Das IDW wird die aktuellen globalen und europäischen Entwicklungen auch weiterhin aktiv begleiten und den Austausch mit den verschiedenen Stakeholdern (Unternehmen, Investoren, Politik, Regulatoren, NGO) fortführen.