IDW Wertekodex

Der IDW Wertekodex geht über gesetzliche Pflichten hinaus: Er beschreibt das Selbstverständnis des Berufsstands und betont Verantwortung, Integrität, Fehlerkultur und gesellschaftliches Handeln als Grundlage für Vertrauen in die Wirtschaftsprüfung.

Wertekodex
standret (Adobe Stock)

IDW Wertekodex

Warum der Wertekodex mehr ist als eine freiwillige Selbstverpflichtung

9. Januar 2023 - Gesetze definieren, welche Pflichten Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer erfüllen müssen. Der Wertekodex des IDW geht jedoch einen Schritt weiter: Er formuliert, welches Selbstverständnis der Berufsstand für sich beansprucht und welche Haltung dahinterstehen soll.

Seit Januar 2023 existiert mit dem IDW Wertekodex ein Dokument, das bewusst nicht als bloßes Regelwerk verstanden werden will. Ziel ist es vielmehr, Werte und Verantwortung sichtbar zu machen: gegenüber Mandanten, der Öffentlichkeit und auch innerhalb des Berufsstands selbst.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Wirtschaftsprüfer zwar einem sehr strengen Berufsrecht unterliegen, ihre gesellschaftliche Rolle jedoch häufig missverstanden wird. Öffentliche Diskussionen über Prüfungsskandale haben das Vertrauen in den Berufsstand teilweise belastet. Gleichzeitig fehlt vielen Außenstehenden ein klares Bild davon, welche Verantwortung Wirtschaftsprüfer tatsächlich tragen. Auch für den beruflichen Nachwuchs sollte deutlicher werden, dass der Beruf weit mehr umfasst als reine Zahlenkontrolle.

Ein Kodex als öffentliches Selbstverständnis

Der Wertekodex entstand nicht isoliert innerhalb des Berufsstands. An seiner Entwicklung waren unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven beteiligt. Begleitet wurde der Prozess unter anderem von Werner Brandt, Rudolf Mellinghoff sowie Christiane Woopen. Dadurch sollten wirtschaftliche, rechtliche und ethische Anforderungen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Im Sommer 2022 wurde der Entwurf öffentlich diskutiert und im Rahmen des IDW Jahreskongresses weiterentwickelt. Seit dem 9. Januar 2023 gilt der Kodex offiziell als Orientierung für den Berufsstand.

Was der Kodex zusätzlich fordert

Das geltende Berufsrecht verpflichtet Wirtschaftsprüfer bereits zu Unabhängigkeit, Verschwiegenheit und Gewissenhaftigkeit. Der Wertekodex erweitert diese klassischen Anforderungen um gesellschaftliche und ethische Aspekte.

Dazu gehört beispielsweise die ausdrückliche Verantwortung gegenüber einer nachhaltigen Marktwirtschaft. Außerdem betont der Kodex den offenen Umgang mit Fehlern sowie die Verpflichtung, aus Fehlentwicklungen zu lernen. Auch Themen wie Hinweisgeberschutz, verantwortungsvolle Vergütungssysteme oder die Förderung von Chancengleichheit werden ausdrücklich angesprochen.

Der Kodex macht damit deutlich, dass professionelle Verantwortung nicht erst dort beginnt, wo gesetzliche Vorschriften greifen. Vielmehr soll ethisches Handeln als aktiver Bestandteil des Berufs verstanden werden.

Fehlerkultur als zentrales Element

Besonders auffällig ist die starke Betonung einer konstruktiven Fehlerkultur. Gerade in einem Berufsfeld, das stark von Präzision und Verantwortung geprägt ist, gilt der offene Umgang mit Fehlern nicht automatisch als selbstverständlich.

Der Wertekodex fordert deshalb ausdrücklich, Fehler anzusprechen, aufzuarbeiten und daraus Konsequenzen abzuleiten. Gleichzeitig sollen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Rahmenbedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende Probleme offen kommunizieren können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Diese Haltung geht deutlich über klassische Compliance-Vorgaben hinaus und zeigt, dass der Berufsstand zunehmend auch interne Lern- und Reflexionsprozesse in den Mittelpunkt stellt.

Für wen der Kodex gilt

Die Grundprinzipien des Kodex richten sich an alle Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer. Gleichzeitig berücksichtigt er Unterschiede zwischen kleinen Praxen und großen internationalen Netzwerken. Die konkreten Anforderungen können deshalb je nach Größe und Struktur unterschiedlich umgesetzt werden.

Rechtlich bindend ist der Kodex nicht. Es handelt sich um eine freiwillige Selbstverpflichtung des Berufsstands. Kanzleien und Praxen wird jedoch empfohlen, ihre Orientierung am Kodex öffentlich sichtbar zu machen, etwa auf der eigenen Website. Dadurch soll Transparenz geschaffen und Vertrauen gestärkt werden.

Vertrauen als Grundlage des Berufs

Der Wertekodex versteht sich nicht als abgeschlossenes Regelwerk, sondern als fortlaufender Prozess. Der Berufsstand reagiert damit auf gesellschaftliche Veränderungen und auf die wachsenden Erwartungen an Transparenz, Integrität und Verantwortung.

Gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in Institutionen zunehmend unter Druck steht, gewinnt diese Form der Selbstverpflichtung an Bedeutung. Der Kodex verdeutlicht deshalb vor allem eines: Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer definieren ihre Rolle nicht nur über gesetzliche Vorgaben, sondern auch über die Frage, welche Verantwortung sie für Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen wollen.

Wie es in der Präambel des Wertekodex formuliert wird: „Das Selbstverständnis eines modernen und verantwortungsvollen Berufsstands lässt sich im geschriebenen Berufsrecht nicht abschließend abbilden.“

Downloads

Fragen und Antworten zum Wertekodex

Der Wertekodex im Video

Der IDW Wertekodex aus ethischer Sicht
Der IDW Wertekodex aus unternehmerischer Sicht
Der IDW Wertekodex aus rechtlicher Sicht
Themenstreifen

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