Rechnungslegung der öffentlichen Hand 02.04.2019

Die Doppik in Gestalt der EPSAS wird sich nicht aufhalten lassen. Fakt ist: Als modernes, konsistentes und konzeptionell in sich geschlossenes System ist die Doppik der reinen Kameralistik überlegen.

Doppik ist reiner Kameralistik überlegen

Mit ihr lassen sich bei Unternehmen wie bei Gebietskörperschaften Vermögen und Schulden systematisch und vollständig erfassen. Ressourcenaufkommen und -verbrauch werden konsistent abgebildet – eine Grundvoraussetzung für eine adäquate Selbstinformation und Steuerung. Sie schafft Transparenz für alle Anspruchsgruppen und ermöglicht die Rechenschaftslegung der Exekutive über den Einsatz der zur Verfügung gestellten Ressourcen.
Gleichzeitig dient die Doppik der Generationengerechtigkeit, weil ein im Periodenvergleich abnehmendes Eigenkapital signalisiert, dass die heutige Generation auf Kosten der künftigen Generation(en) lebt.

Kein Entweder-Oder

Die Entscheidung über ein zukunftsfähiges Rechnungslegungssystem für den öffentlichen Sektor muss aber nicht auf ein "Entweder (Kameralistik)-Oder (Doppik)" reduziert werden. Auch ein privatwirtschaftliches Unternehmen wird nicht ausschließlich nach dem Profit gesteuert. So dürfen die Liquidität und die determinierenden Zahlungsströme nicht außer Acht gelassen werden. Diese wichtige Sicht auf die Zahlungsströme will die Doppik nicht nehmen. Vielmehr liefert sie zusätzlich ein komplettes Bild auf die Vermögens- und Schulden-Lage sowie ein Jahresergebnis auf der Basis periodisierter Aufwendungen und Erträgen. Nur so wird eine mehrdimensionale Steuerung möglich.

Impulse für Modernisierung

Die Erfahrung zeigt, dass die Einführung der Doppik häufig auch Impulse zur Modernisierung der Verwaltung und Abläufe gibt. Erfahrungen mit der Übertragung der kaufmännischen Rechnungslegung auf Körperschaften und andere Einheiten des öffentlichen Rechts – seien es Kommunen, Hochschulen, staatliche Sondervermögen, Kirchen etc. – sind umfangreich vorhanden. Verbesserung der Adressatenorientierung undWesentlichkeitsorientierung sind wichtige Beispiele, wo eine pragmatische Umsetzung der Doppik ansetzen kann.

Politisches Commitment steht noch aus

Derzeit fließen die Erfahrungen beispielsweise auf kommunaler Ebene noch nicht in die EPSAS-Diskussionen mit ein. Deutschlands Mitwirkung an der Entwicklungder EPSAS beschränkt sich außerdem auf die Arbeitsebene. Ein politisches Commitment steht noch aus. Dies sollte sich ändern. Das IDW appelliert an Bundestag und Bundesrat, sich aktiv mit dem Thema zu beschäftigen. Ziel sollte es sein, die EPSAS in Europa mitzugestalten, um sie adressatenorientiert und möglichst einfach zu konzipieren und die Doppik-Diskussion in Deutschland pragmatischer unter der Prämisse eines "sowohl als auch" zu führen.

Rechnungslegung der öffentlichen Hand (Trendwatch Positionspapier) (PDF)

Public Sector Financial Reporting - An Overview in English (PDF)