WPg 7.2021, S. 475

Zur Entbindung eines Wirtschaftsprüfers von der beruflichen Verschwiegenheit
Von RA Prof. Dr. Carsten Wegner

Ein Wirtschaftsprüfer ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Mandanten vertrauen sich ihm deshalb an und die Funktionsfähigkeit des geschützten Vertrauensverhältnisses liegt auch im öffentlichen Interesse. § 53 StPO befreit den Berufsträger aus der Zwangslage, die sich aus dem Pflichtenwiderstreit der Wahrung des Vertrauens einerseits und der Berücksichtigung des Allgemeininteresses an der Aufklärung von Straftaten andererseits ergibt. Da allerdings kaum jemand detailreicher über das finanzielle Innenleben eines Unternehmens berichten kann als der Wirtschaftsprüfer, entstehen immer wieder Begehrlichkeiten, auf dieses Spezialwissen zuzugreifen, die so zum Zeitpunkt der "offenen" Kommunikation zwischen Berufsträger und Ratsuchendem nicht geplant waren oder gar vorhergesehen worden sind. Gerade bei juristischen Personen in der Insolvenz oder nach dem Wechsel an der operativen Spitze eines Unternehmens bzw. in einem Ermittlungsverfahren gegen ehemalige Führungsverantwortliche ist Streit programmiert: Wer kann den Berufsträger dann zur Aussage verpflichten, indem er ihn von der Verschwiegenheit entbindet?