WPg 15.2019, S. 816

IFRS 15: Praktische Umsetzung bei Incoterms und Waren im Konsignationslager
Von StB Assoc. Prof. Dr. Dr. Petra Inwinkl und Prof. Dr. Inge Wulf

Welche Regelungen gemäß IFRS 15 sind bei Konsignationslager-Verträgen und Verträgen mit Incoterm-Klauseln zu berücksichtigen? Dieser Frage geht der Beitrag nach. Zur Diskussion stehen vier Fallkonstellationen von Konsignationslager-Verträgen sowie mit CIF und FOB zwei Anwendungsfälle der Incoterms. Das Ergebnis zeigt, dass Konsignationslager-Verträge grundsätzlich nicht als kombinierte Leistungsverpflichtungen zu klassifizieren sind (sondern als Ein-Komponenten-Geschäfte) und dass der Indikator des Risiko-Chancen-Ansatzes gemäß IFRS 15.38(d) zum Tragen kommt – mit der Folge der Umsatzrealisierung im Zeitpunkt der Einlieferung in das Konsignationslager. Wenn die Versicherung des Warenlagers allerdings der Verkäufer übernimmt und die Versicherungsleistung eine eigenständig abgrenzbare Dienstleistung ist, liegen zwei separate Leistungsverpflichtungen vor. Bei Verträgen mit Incoterm-Klauseln kann folgender Grundsatz festgehalten werden: Drei separate Leistungsverpflichtungen bestehen, wenn der Kontrollübergang vor der Transportleistung erfolgt (wie bei CIF-Verträgen). Geht die Verfügungsgewalt der Ware erst nach der Transportleistung auf den Kunden über, handelt es sich um eine Erfüllungstätigkeit, die eine einzige Leistungsverpflichtung begründet.