WPg 1.2021, S. 42

Abgrenzung von beteiligungs- und obligationsähnlichen Genussrechten
Von WP StB RA Dr. Frank Roser

In Zeiten krisenbedingter Finanzierungskonzepte kommt eigenkapitalähnlichen Instrumenten – beispielsweise Genussrechten - eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur die zivilrechtliche Flexibilität, sondern auch die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten bestimmen die konkreten Einsatzmöglichkeiten. Der BFH hat mit Urteil vom 14.08.2019 - I R 44/17 den steuerlichen Rahmen dafür konkretisiert und einige Grundsatzfragen geklärt. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den Konsequenzen der BFH-Rechtsprechung, die Genussrechtsbedingungen streng am Wortlaut von § 8 Abs. 3 Satz 2 Alternative 2 KStG zu beurteilen. Da weder die wirtschaftlichen Effekte der Genussrechte noch ihre bilanzielle Einordnung qualifikationsbestimmend sind, eröffnen sich Möglichkeiten für die Gestaltungspraxis. Offen bleibt, ob die Entscheidung des BFH die Diskussionen zur Schachtelfreistellung von Genussrechtszahlungen beleben wird. § 138d AO wird bei grenzüberschreitenden Genussrechtsgestaltungen zu beachten sein.