WPg 15/2010, S. 768 bis 770

Dr. Hans-Jürgen Niehaus


Künftige Ausgestaltung der Risikovorsorge bei Kreditinstituten

An dem handelsrechtlich kodifizierten Incurred-Loss-Modell zur Bestimmung der Kreditrisikovorsorge wird vor allem kritisiert, dass es prozyklisch wirkt und in guten Konjunkturphasen die Gefahr eines Substanzverzehrs verstärkt. Der jüngste Vorschlag des IASB zur Einführung eines Expected-Loss-Modells dagegen hat den Nachteil einer viel zu hohen Umsetzungs- und Anwendungskomplexität. Der Vortrag soll einen Diskussionsbeitrag zur stärkeren Vereinheitlichung der in der Rechnungslegung und im Aufsichtsrecht verwendeten Modelle unter Berücksichtigung des Expected-Loss-Prinzips liefern. Konkret wird ein praktikabler Vorschlag unterbreitet, der mit Blick auf die handelsrechtlichen Rechnungslegungsziele und bankaufsichtsrechtlichen Zwecke vorsieht, im HGB- und im IFRS-Abschluss eine auf Basis des Incurred-Loss-Modells ermittelte Kreditrisikovorsorge weiterhin in der GuV auszuweisen und die Differenz zum bankaufsichtsrechtlich verwendeten Expected Loss erfolgsneutral in einer Kreditbewertungsrücklage und damit im Eigenkapital zu erfassen.

Autorenangaben

Dr. Hans-Jürgen Niehaus
Finanzvorstand, WestLB AG, Düsseldorf

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